Rezension: Lilli Beck-Wie der Wind und das Meer


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Lilli Beck – Wie der Wind und das Meer

Roman

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag

512 Seiten

Preis: € 19,99 [D] | € 20,60 [A] | CHF 26,90

Buchinfo Verlagsseite


Verlagstext:
»Halt dein Gesicht in den Regen, jeder Tropfen ist ein Kuss von mir …«

München, April 1945. Nach einem verheerenden Fliegerangriff irrt der elfjährige Paul mit einem Koffer durch die Trümmerlandschaft. Auf der Suche nach einem Versteck trifft er auf ein kleines Mädchen. Sie heißt Sarah, hat wie er ihre Familie verloren – und sieht Pauls Schwester verblüffend ähnlich. Um in der verwüsteten Stadt nicht allein zu sein und von den Behörden nicht getrennt zu werden, schließen Paul und Sarah einen Pakt: Von nun an werden sie sich als Geschwister ausgeben. Ihr Plan geht auf. Doch wie hätten sie ahnen können, dass Jahre später ihre Notlüge ihr Verhängnis werden würde – und dass sie sich würden verstecken müssen, um sich lieben zu dürfen …


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Mein Eindruck:

Romane in denen der Krieg und die Nachkriegszeit eine Rolle spielen gab es in diesem Jahr einige. Selber las ich auch schon ein paar. Gefallen haben sie mir alle auf ihre eigene Art, wenn man es denn so ausdrücken darf. Gefallen am Krieg, an all den Toten und Verzweifelten, an die schwierigen Jahre danach kann man ja nicht wirklich empfinden. Trotzdem lese ich gerne Bücher über diese schlimme Zeit, denn abgesehen von den bekannten Gräueltaten, sind es vor allem die Menschen, die diese grauenvollen Jahre durchlebten, die mich interessieren. Ihre Geschichte interessiert mich, wie sie damit umgingen, wie sich die Zeit danach entwickelte. Also war ich ganz gespannt auf das neue Buch von Lilli Beck.

Wie auch in ihrem vorangegangen Buch “Glück und Glas” beginnt auch “Wie der Wind und das Meer” in den letzten Kriegsmonaten. Über München fallen die letzten Bomben um noch zu zerstören, was noch nicht zerstört wurde. Paul, seine Mutter und seine kleine Halbschwester harren im Schutzkeller ihrer Unterkunft aus, in der Hoffnung, dass das Haus auch diesem Bombenangriff stand hält. Doch es wird zerstört. Nur Paul entkommt den Inferno.  Nur ein Koffer ist ihm geblieben. In ihm die Dokumente über seine Herkunft und die seiner Familie. Auch Sarah hat ihre Eltern bei diesem Bombenangriff verloren. Das Mädchen ist Jüdin und hat sich bisher zusammen mit ihren Eltern vor den Nazis verstecken können. Als Paul auf sie findet, erzählen sie sich ihre Geschichten. Da Sarah seiner kleinen Schwester sehr ähnlich sieht, beschließen die beiden sich als Geschwister auszugeben und sich gegenseitig zu beschützen. Das Leben ist schwer, Überleben in den Bombentrümmern ist alles. Irgendwann begegnen sie der Blumen Oma, sie wird ihre Retterin. Doch die Behörden schlafen nicht. Auch nicht in den wirren Zeiten nach der Kapitulation. Paul und Sarah kommen in ein Kinderheim und werden später adoptiert. Alles könnte so schön sein, wären da nicht die Gefühle und die Liebe, die in den beiden Menschen erblüht. Doch niemand darf von die Liebe wissen, denn offiziell sind sie Geschwister …..

“Der Wind und das Meer” hörte sich vom ersten Moment nach einer netten Geschichte an. Und das ist es im Endeffekt auch gewesen. Auch wenn der Krieg und die harten Zeiten danach in die Handlung mit eingeflossen sind, konnte sie mich emotional nicht wirklich packen. Ich weiß aus Erzählungen meiner Großmutter und meiner Mutter wie schwer es war, welche Zerstörung herrschte und welche Entbehrungen die Menschen durchleben mussten. Das weiß ich alles und das hat mich mental immer betroffen gemacht. Leider kam dieses Gefühl beim Lesen dieser Geschichte so gar nicht durch. Natürlich, es war interessant zu lesen, wie sich die Menschen veränderten, der Wideraufbau, all die Dinge, die in den Jahren nach dem Krieg Deutschland und die Welt geprägt haben. Der Kalte Krieg, der Mauerbau, Contergan, die Hausbesetzer Szene und vieles mehr. All das war interessant zu lesen und hätten durchaus mehr ausgeschmückt werden können. Doch hauptsächlich ging es natürlich um Paul und Sarah, dessen erste Jahre sich zäh dahinzogen ohne mich wirklich zu berühren. Die Jahre bei den Adoptiveltern waren dann wiederum sehr ausgeschmückt und Paul und Sarah entdeckten in dieser Zeit ihre Liebe. Paul und Sarahs Liebe bot leider keine Überraschungen, alles war ziemlich vorhersehbar.

Mein Fazit:

Wären die zeitlichen Entwicklungen – wirtschaftlich, politisch und wissenschaftlich – nicht gewesen, wäre es für mich nur ein seichte Genre-typische Geschichte gewesen. Sprachlich ganz nett gemacht, mit den Dialekten, die für Lockerheit und das ein oder andere Schmunzeln sorgen. Die Charaktere fand ich als Kinder überzeugender als im erwachsenen Stadium. Da waren sie mir eher unsympathisch. Vor allem Sarah verwirrte mich etwas. Offiziell war sie Rosalie, dann wieder Sarah.


Von mir bekommt der Roman gutgemeinte Red roseRed roseRed rose von Red roseRed roseRed roseRed roseRed rose.

Herzlichen Dank an Blanvalet für dieses persönliche Leseexemplar!


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