Hörbuchrezension: Agnes Krup-Mit der Flut


Autorin Agnes Krup hat aus dem Leben ihres Großonkels, einen vielschichtigen Generationenübergreifenden Roman kreiert. Er ist mit 18 Jahren aus Finkenwerder in die USA migriert. Wie Paul, der “Held” der Geschichte,  war auch er ein Schreiner und hat ihrem Großvater sein Gesellenstück, einen Bücherschrank, vermacht bevor er in die USA auswanderte. Dieser Schrank stand über 50 Jahre in dessen Arbeitszimmer, bevor Frau Krup ihn erbte und anfing dauernd mit ihm umzuziehen. Die Autorin lebte bereits viele Jahre in New York als sie entdeckte, dass seine damalige Wohnung nicht weit der ihrigen in Brooklin Highs lag. Nach dem Tod seiner Witwe übergab ihr deren Nichte unzählige Briefe, Zeitungsausschnitte und Fotos des Großonkels.

Die Buchausgabe erschien bei Piper. Meine Rezension bezieht sich aber auf das Hörbuch des Romans!

Leseprobe: Mit der Flut

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Agnes Krup – Mit der Flut

Gelesen von Nina Petri

Gekürzte Lesung

8 CDs ; Laufzeit: 659 min.

Preis: € 22,00 [D] / 24,00 [A]

Info Verlagsseite


Verlagstext:

Drei Generationen, zwei Kontinente, eine außergewöhnliche Liebe

Finkenwerder bei Hamburg, 1923: Paul ist fast noch ein Junge, als er sich als blinder Passagier auf einen Überseedampfer nach New York schleicht. In der neuen Welt will er sein Glück suchen, denn der elterliche Obsthof ist ihm schon lange zu klein und zu eng. In Brooklyn gelingt es ihm Fuß zu fassen, und als er Antonina kennenlernt, deren Familie aus Sizilien eingewandert ist, scheint er ein neues Zuhause zu finden. Doch um seinen größten Traum zu verwirklichen und Arzt zu werden, muss Paul zurück zu seiner Familie nach Deutschland – und betritt im Jahr 1937 ein Land, das er kaum wiedererkennt. Damit wird auch Antoninas Liebe zu ihm auf eine härtere Probe gestellt, als sie es sich je hätte träumen lassen.

Agnes Krup erzählt, inspiriert vom bewegten Leben ihres Großonkels, eine so dramatische wie faszinierende deutsche Familiengeschichte.


 

Mein Eindruck:

Auswandern, alles hinter sich lassen. Das tut Paul. Er überquert den Atlantik als Blinder Passagier auf einem Dampfer, dessen Kapitän der Vater seines besten Freundes ist. In New York holt ihn erst einmal die Realität ein. Einwandern in das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist doch nicht so einfach wie gedacht. Die Sprache ist nur ein Problem, Geld das Nächste. Als Schreiner schafft es der junge Paul, sich ein neues Leben in der Metropole aufzubauen. Als er dann Antonia, die Tochter italienischer Migranten, kennen und lieben lernt, schein sein Leben perfekt. Doch Paul träumt davon Arzt zu werden. Sich ein Studium zu ermöglichen, scheint durch die hohen Kosten in unerreichbarer Ferne zu liegen. Antonia ihrerseits träumt davon Lehrerin zu werden und Paul zu heiraten. Als Pauls Eltern ihm das Angebot machen, ihm ein Medizinstudium in Hamburg zu finanzieren, kehrt er zurück in seine alte Heimat. Antonia gibt er das Versprechen, sie so bald als möglich nachkommen zu lassen. Doch die Zeiten sind schwierig. Die Nationalsozialisten sind an der Macht, Europa steht vor einem Umbruch. Durch Briefe versucht Antonia Kontakt zu Paul zu halten. Als der Krieg ausbricht, schickt die junge Frau Hilfspakete nach Deutschland um ihrem Liebsten und dessen Familie zu helfen. Nichtsahnend, dass Pauls Gedanken schon lange nicht mehr bei ihr sind. Er indessen wird eingezogen und nach Russland an die Front geschickt. Verwundet kehrt er von dort nach Hause zurück und lernt die Witwe seines Hauptmannes kennen. Seinem Traum Arzt zu sein, hat er immer noch nicht verwirklicht, denn der Krieg kam dazwischen. Als Sanitäter leistet er aber gute Dienste und wird nach seiner Genesung nach Frankreich geschickt. Am Ende des Krieges kommt er in US-Amerikanische Gefangenschaft. Seine Verbindung zu Antonia retten ihn schließlich vor längerer Haft. Nun muss er sich wieder zu ihr bekennen. Antonia – nichts Ahnend ob seiner gemischten Gefühle – setzt alles daran, endlich nach Deutschland reisen zu dürfen und ihren Paul zu heiraten. Inzwischen hat auch Paul seinen Doktortitel erhalten und praktiziert in seinem Heimatort und möchte auch dort bleiben. Doch Antonia ist unglücklich. Als ihre Schwestern in Italien zu besuch sind, beschließt sie, mit ihnen zurück nach Amerika zu reisen um für Paul eine Einreisebewilligung zu erhalten. Es sollten noch Monate vergehen, bis er sich endlich aufmacht, um mit seiner Frau gemeinsam in den USA zu leben. Jahre später bricht die jüngere Tochter seines Bruders auf, um bei Paul und Antonia zu leben. Dort lernt sie einen jungen Deutschen kennen und lieben, nichtsahnend welche Blutsbande sie verbindet ……

Grundsätzlich fand ich das Hörbuch sehr gut eingesprochen. Nina Petri hat die tolle Zuhörstimme und die passenden Töne für diesen Schmöker gefunden. Paul fand ich zu Beginn richtig sympathisch und  ich hab ihn bewundert, wie er die Anfangsjahre in seinem jungen Alter in dem fremden Land gemeistert hat. Ehrgeiz ist gut, treibt einen voran. Doch mit den Jahren wurde er zu einer Person, die ich nicht mochte. Sein Ziel ging ihm über alles. Er nutzte nicht nur Antonia aus, auch andere Frauen hatten in den Jahren das Nachsehen. Antonia mag man als naive Jungfrau bezeichnen, denn sie hielt all die Jahre an ihrer Liebe fest. Doch das lag nicht nur allein an ihrer Naivität. Pauls Bruder hielt ihre Träume, Erwartungen und Hoffnungen auf ein Leben mit Paul aufrecht, ohne dass das Paar davon wusste. Das sich Antonias Erwartungen auf ein gemeinsames Leben so nicht erfüllen würden, war absehbar.

Neben Paul und Antonia gibt es noch zahlreiche andere Mitwirkende. Pauls Mutter, mit ihrem Plattdeutschen Dialekt machte sie es mir nicht leicht. Ihren Charakter konnte man aber doch gut verstehen. Keine Frau war für ihren Paul gut genug. Sie setzte alles daran, ihn in seiner alten Heimat zu halten. Eine Matrone, der nichts gut genug war, außer ihr eigenes Dasein und das von Paul. Pauls Bruder indes verliebt sich etwas in Antonias Fotografie und kann nicht verstehen, dass Paul die Briefe der jungen Frau nicht beantwortet und beschließt, dies an seiner Stelle zu tun. Selbstverständlich ohne dessen Wissen. Nichtsahnend, dass er so die Hoffnungen der jungen Frau, nach einem Happy End ihrer Beziehung zu Paul, schürt. Noch zwei Frauen machen sich Hoffnungen auf Paul, doch beiden bricht er das Herz, denn keine kann seinen Erwartungen entsprechen. Seine Mutter hat ganze Arbeit geleistet. Die dritte Generation in der Geschichte bilden Pauls Nichten, die Töchter seines Bruders. Die ältere gibt nach einem einschneidenden Erlebnis mit einem Mann ihren Traum Musikerin zu werden auf und widmet sich ganz ihrer Mutter, die immer wieder depressive Phasen durchmacht. Und die jüngere versucht ihr Glück bei Paul und Antonia in den USA.

Die Geschichte zieht sich über etwa 4 Jahrzehnte und drei Generationen. Leider ist das Hörbuch gekürzt, manches Gehörte ergibt dann nicht immer Sinn, bzw. hat man das Gefühl einer Lücke. Trotzdem ist es eine gute Erzählung, mit glaubhaften Charakteren, deren Handeln und Taten man gut nachvollziehen kann.

Das Cover passt gut zu der Geschichte. Die Äpfel stehen wohl für die deutsche Heimat und den Hof auf dem Paul aufgewachsen ist. Im Hintergrund kann man die Brooklin Bridge.

Mein Fazit:

Eine wirklich interessante Familiengeschichte, die sich über mehrere Generationen erstreckt. Man erhält einen guten Einblick in die Leben der Menschen vor, während und nach dem Krieg. Schade nur, dass es sich bei dem Hörbuch um eine gekürzte Ausgabe handelt. Beim Ende bin ich mir daher nicht ganz sicher, ob es offen blieb, damit man sich selber etwas zusammenreimen kann. Nina Petri hat mir als Sprecherin sehr gut gefallen. Ihrer Stimme hört man sehr gerne zu. Sie hat es verstanden, die Charaktere lebendig zu machen.


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Herzlichen Dank an Hörbuch Hamburg für dieses persönliche Hörexemplar!

 

 

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