Die IRA, eine europäische Terrororganisation: Nicholas Searle-Verrat [Rezension]


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Zur Verfügung gestellt vom Rowohlt Verlag

AutorIn: Nicholas Searle

Titel: Verrat                                                                   Originaltitel: A Traidor in the Familiy

Genre: Thriller                                                              Umfang: 350 Seiten

ISBN:  978-3-4634-0692-3                                             Hardcover

Preis: € 19,95 [D] /€ 20,60 [A]

Auch als ebook erhältlich.

Buchinfo

AutorIn: 

Nicholas Searle ist in Cornwall aufgewachsen und studierte Sprachen in Bath und Göttingen. Er machte Karriere im Öffentlichen Dienst, erst in seiner Heimat, dann in Neuseeland. 2011 kehrte Searle nach England zurück, nahm seinen Abschied vom Staatsdienst und begann zu schreiben. Sein Debütroman „Das alte Böse“ wurde von der Kritik international gefeiert. Der Autor lebt mit seiner Frau in Yorkshire.

QUELLE: Verlagsseite


Verlagstext:

Ein ungeheuer fesselnder, zugleich nachdenklicher Thriller über den nordirischen Bürgerkrieg und über das, was die große Geschichte mit den einfachen Menschen macht.
Weihnachten 1989. Bridget O’Neill blickt mit Grauen den Feiertagen entgegen: Wird ihre Gebäck Gnade finden vor der Schwiegermutter? Ihr Mann ist derweil in Calais, um einen britischen Soldaten vor den Augen seiner Familie zu töten. Francis ist ein Fußsoldat der IRA, der Kampf ist ihm Beruf und Lebenszweck. Doch seine Frau leidet sehr am Bürgerkrieg: Die bösen Geheimnisse, der Heimatort, der einer Geisterstadt gleicht, Jahre wie Blei. Bridget lässt sich vom britischen Geheimdienst rekrutieren und wird doch die Schuldgefühle – beiden Seiten gegenüber – nicht los. Auch Francis‘ Bruder Liam will Informant werden. Ein Hinweis von Francis beschert ihm den Tod. Und „Gentleman Joe“, Francis‘ Boss, schätzt solche Treue. Er hat gleich den nächsten Job für Francis: ein Bombenattentat.
Dass die IRA insgeheim längst mit den Briten verhandelt, weiß Francis nicht. Er hat auch ohnedies schon Zweifel am Krieg, dem er seinen Bruder geopfert hat. In einer schwachen Stunde weint er sich bei Bridget aus, die den Attentatsplan weitergibt. Francis wandert in den Knast. Und Bridget fühlt sich durch ihren Verrat noch mehr an ihn gebunden. Sie wird auf ihn warten – auf die Gefahr hin aufzufliegen.
Nach sechs Jahren – der Bürgerkrieg ist Geschichte – wird Francis entlassen: Er kommt in eine Welt, in der es keinen Platz gibt für einen Mann der Vergangenheit. Enttäuscht konzentriert Francis sich auf die Suche nach dem Verräter und bringt damit sich und Bridget in höchste Gefahr …


Meine Meinung:

Terroranschläge sind heutzutage wieder (fast) alltäglich geworden. Sie sind entsetzlich und grausam. Und werden meistens mit Islamischen Organisationen oder Menschen in Verbindung gebracht, die sich mit den Grundsätzen solcher Organisationen identifizieren oder glühende Anhänger dieser sind. In Vergessenheit könnte beinahe geraten, dass es auch in Europa Terrororganisationen gab. Die IRA war/ist eine davon.

Die Irisch Republikanische Armee wollte 90 Jahre lang die Unabhängigkeit Nordirlands vom Britischen Königreich erwirken. Mit brutalen Bombenanschlägen und gegen britische Armeeangehörige und Persönlichkeiten in der Politik. Erst seit 2005 ist der Konflikt offiziell beendet und die Waffen schweigen. Doch unter der Oberfläche brodelt es nach wie vor. Wir bekommen davon nur nichts mit.

Nicholas Searle ruft diesen Konflikt mitten in Europa mit diesem Thriller wieder in Erinnerung. Er zeichnet ein gut vorstellbares Bild der Menschen, die diese Terrorakte durchführen oder unterstützen. Wie die Hintermänner agieren, wie die Familien der beteiligten dazu stehen. Aber auch von Menschen, die gegen diese Gewalt sind und mit allen Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen, gegen diesen Terror arbeiten. Immer in dem Bewußtsein, dass, sollten ihre Machenschaften entdeckt werden, dies für sie das Todesurteil bedeuten könnte. Denn wer gegen die IRA arbeitet, gehört zum Feind, arbeitet gegen ihre Sache, die in deren Augen das alleinige Richtige ist. Auch wenn diese Menschen aus den eigenen Reihen kommen, zur Familie gehören.

Wie die meisten Leute auf beiden Seiten des Konflikts kannte Francis Joe Geraghty als fähigen Mann. Seine getragene Stimme, freundlichen Worte und sie sanfte, selbstkritische Art erfüllten die Herzen fehlgehender Freiwilliger mit Angst und Schrecken

S. 128

Sprachlich ein gut zu lesender Thriller mit einer Thematik, die nicht in Vergessenheit geraten sollte. Die Täter, junge Männer, die einzig und allein der Sache dienen. Ohne wirklich zu hinterfragen, manipuliert von den Hintermännern. Immer mit dem Gedanken, dass das was sie tun richtig ist. Und die Menschen, die im Geheimnen gegen die Organisation arbeiten. 

Als junge Frau hatte Bridget große Träume. In Belfast wollte sie studieren, rauskommen aus dem nordirischen Nest indem sie aufgewachsen ist. Doch dann kam alles anders. Bridget, dazu erzogen vernünftig und gehorsam zu sein, gab dem Wunsch ihrer Mutter nach und blieb. Lernte Francis kennen und lieben. Seine Stellung in der IRA hinterfragte sie nie. Selber stand sie zwar nicht hinter der Sache, sie lebte ihr Leben, akzeptierte das Tun ihres Mannes. Erst mit den Jahren entwickelte sich Bridget, aber nur im Verborgenen. Ihr verschrecktes graue Maus Dasein behielt sie sich bei. Neben Bridget gibt es noch ein paar andere Charaktere aus den eigenen Reihen, die gegen die Organisation arbeiten. Sie sind aber so im Verborgenen, dass man sie erst zum Ende hin richtig Wahrnimmt. 

Mein Fazit:

Ein fesselnder Politthriller mit gut durchdachten Charakteren. Man kann sich gut in die Menschen hineinversetzten. Bridget mag als Frau auf den ersten Blick zu unterwürfig wirken, was sie natürlich auch ist. Doch passt sie ihre Persönlichkeit zu der familiären Kulisse: der Mann hat das Sagen, die Frau hat zu gehorchen. Francis entwickelt sich genau so, wie ich mir das erwartet habe. Einst ein netter fürsorglicher junger Mann, wurde er mit den Jahren zum skrupellosen Mörder und fordernden rücksichtslosen Ehemann. Auch die restlichen Charakter passen sich der Geschichte gut an. Ein wirklich gut dargestellter Thriller. Nicht unbedingt zur IRA Thematik an sich, aber wie Terror aussieht, wie er funktioniert, und wie die Menschen zu dem gemacht werden, was sie sind. 


Von mir bekommt der Thriller wlEmoticon-redrose.pngwlEmoticon-redrose.pngwlEmoticon-redrose.pngwlEmoticon-redrose.png von wlEmoticon-redrose.pngwlEmoticon-redrose.pngwlEmoticon-redrose.pngwlEmoticon-redrose.pngwlEmoticon-redrose.png.

Herzlichen Dank an den Verlag, dass mir der Titel zur Rezension angeboten wurde!

2 Gedanken zu “Die IRA, eine europäische Terrororganisation: Nicholas Searle-Verrat [Rezension]

  1. Hey,
    vielen Dank für die Buchvorstellung! Ich mag gut geschriebene Polit-Thriller total und werde mir diesen hier merken! Für Irland habe ich dieses Jahr noch kein Buch auf meiner literarischen Weltreise. Dieses hier würde deswegen super passen. Ich erinnere mich noch sehr gut an die Nachrichten aus meiner Kindheit und Jugend, wenn es mal wieder um die IRA und irgendwelche Anschläge ging. Doch darüber habe ich noch nie ein Buch gelesen. Wird mal Zeit, denke ich. 🙂
    GlG, monerl

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